
Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Markus
Alemannenstraße 40
90443 Nürnberg
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Das Pfarramt ist von
29. Mai bis 10. Juni 2012
unregelmäßig besetzt.
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erreichen Sie telefonisch.
Malen im Pfarramt, am Dienstag, 22. Mai, um 15 Uhr.
Die nächste Kirchenvorstandssitzung findet am Mittwoch, 23. Mai, um 19 Uhr im Gemeindezentrum Marterlach statt.
24.6. Jubelkonfirmation um 10 Uhr in der Markuskirche, Frankenstr. 29.

Östlich der Handelsstraße nach Augsburg, seitab von allem Verkehrsgetriebe, lag, umgeben von Wäldern, Feldern und Weihern, der Ort Gibitzenhof. Dieser Weiler mit seinem Herrensitz gehörte 1372 den Waldstromern; seit 1455 ist er im Besitz des Nürnberger Patriziergeschlechtes von Löffelholz. Einer von ihnen, Matthes Löffelholz, gab seinen Untertanen 1578 eine neue Gemeindeordnung. Diese Ordnung, 50 Jahre nach der Einführung der Reformation und dem Bauernkrieg und 25 Jahre nach dem 2. Markgräfl. Krieg herausgegeben, versucht die verderblichen Folgen der Kriegszeiten zu überwinden. Wir lesen in dieser Ordnung unter anderem: „Obwohl die Gemein- und Eigenherrschaft der gänzlichen Hoffnung gelebt, ihre Untertanen würden sich den augenscheinlichen Zorn Gottes, namentlich allerlei Seuchen, Krankheiten, Unfrieden, Türken- und innheimische Kriege, so sich hin und wieder im Vaterland erheben und je länger je mehr in unsere Nähe kommen ... etwas mehr zu Herzen genommen und sich dadurch zu einem besseren und bußfertigen christlichen Leben und Wandel haben bewegen lassen, so befindet sich doch leider, daß ungeachtet solcher Warnungen Gottes, die alle Augenblicke sich an unsere Hofzäune nahen, auch hintangesetzt der täglichen Predigten und Vermahnungen auf den Kanzeln, auch der Gesetze und Ordnungen, so deswegen ein ehrbarer Rat der Stadt Nürnberg als die hohe Obrigkeit und die Schutzherren dieses Ortes oftmals eröffnen lassen, sich nichts desto minder in solch unbußfertigem Leben fortfahren, Gott lästern, heftig einander schänden und schmähen, übel nachreden, anfeinden und es mit ihnen so weit gekommen, dass leider kein Nachbar mehr dem anderen von Herzen etwas Gutes gönnte, welches darum desto mehr zu erbarmen, dass dergleichen Untreu und Erkaltung der Herzen unter den Ungläubigen kaum vorkommt ... Dieweil auch der Herrschaft vorkommen, dass ihrer viel ein sehr gottloses Leben führen durch Verachtung Gottes Worts und Sakraments, so gebeut man, solchem bösen Wesen sich abzutun; wer dessen überwiesen, dass er sich der tröstlichen Absolution und des hochwürdigen Sakraments in Jahr und Tag nicht einmal gebraucht, der soll ohne alle Gnade von seinen Gütern geschafft und zum Verkauf gedrungen werden. Die aber überwiesen, dass sie in Monatsfrist keine Predigt gehört, oder dem gemeinen Gebet oder Gottesdienst nie beigewohnt, die sollen ebenfalls weggeschafft werden. Ferner will sich die Herrschaft zu ihren Untertanen versehen, dass sie ihre Kinderlein zur Schule, zum wenigsten aber zur christlichen Kinderlehre unseres lieben Katechismi gern und fleißig erziehen." Derselbe Matthes Löffelholz war es auch, der 1562 das Gibitzenhofer Schlösschen neu aufbaute (zerstört am 1. 6. 1552 im 2. Markgräfl. Krieg). Bei dieser Gelegenheit musste er sich der Stadt Nürnberg gegenüber verpflichten, dieses Schloss als ein „der Stadt Nürnberg offenes Haus" zu halten. Gleichzeitig wurde ihm genehmigt, den Herrensitz, bei den Weihern bei Gibitzenhof erbaut, mit einem Wassergraben zu umgeben, dessen Wasser er aus den Weihern entnehmen durfte, um es dann in Röhren zum Landgraben abzuleiten. Immer wieder stoßen wir in den alten Berichten auf die Bemerkung, dass es viele Weiher in und um Gibitzenhof gegeben habe, die sich einst von Gibitzenhof bis nach Pillenreuth erstreckt haben sollen. Durch den Bau des Ludwig- Donau-Main-Kanals aber wurden viele Bäche in ihrer Richtung geändert und so versiegten auch nach und nach die Weiher, von denen der Vogelweiher mit seiner Insel (etwa Ecke Nimrod/ Eschenstraße gelegen) und der Wäscheweiher noch manchem alten Gibitzenhöfer bekannt sein dürfte.
Bis zum Jahre 1848 blieb Gibitzenhof vollständig im Besitz der Herren von Löffelholz, die hier sogar eigene Gerichtsbarkeit hatten. Erst 1848 wurden die Gibitzenhöfer bayerische Untertanen; das Schlössle der Herren von Löffelholz wurde gleich vielen anderen Bauten 1945 ein Opfer des Krieges. In dem Buch „Vor den Mauern Nürnbergs" klagt der Chronist: Die Vernichtung des Löffelholz'schen Hauses, das als Schlossanlage mit all seinen Nebenbauten erhalten war, gehört zu den schmerzlichsten Verlusten des Luftkrieges. Heute liegt die große Fläche zwischen der Meisen- und Gibitzenhofstraße abgeräumt da und eine Tankstelle und ein Kino (jetzt ein Selbstbedienungsladen) sind, dort errichtet worden." Kirchlich gesehen lag Gibitzenhof im Außensprengel der Pfarrei Nürnberg - St. Lorenz. Seit aber im Jahre 1483 St. Leonhard einen eigenen Pfarrer bekam, hielten sich auch immer mehr Gibitzenhöfer zu der 1317 erbauten Leonhardskirche, da diese näher und bequemer lag als St. Lorenz. Auch waren die Bestattungsgebühren in St. Leonhard niedriger als auf den Kirchhöfen in Nürnberg. (Die Stadt wachte streng über die Einhaltung der verschiedenen Begräbnisklassen; die Staffelung reichte von der „8-Herren-Leich" bis zur „Arm-Leute-Leich". St. Leonhard mit nur einem Geistlichen konnte sich diese Vielfalt rein personell gar nicht leisten.) Im ersten Grabbuch von St. Leonhard, in dem 90 Gräber aufgeführt werden, sind bereits 6 Familiengräber verzeichnet, die zu Gibitzenhof gehören. Dieses 1662 geschriebene Grabbuch zählt auch 11 gemeine oder Armen-Gräber, in welchen all die bestattet wurden, denen ein Familiengrab unerschwinglich war. Die Vorliebe für St. Leonhard hatte bei den Gibitzenhöfern noch einen anderen Grund: Der Leonharder Geistliche musste im Sonderfall die Herren von St. Lorenz vertreten. Solche Sonderfälle waren:
Die Lorenzer Pfarrer bemerkten gar bald, dass sich die Dörfler mehr und mehr nach St. Leonhard hielten; auch entgingen ihnen die Einnahmen (Stolgebühren und Beichtgelder) aus den Dörfern des Außensprengels. Daher entbrannte ein langwieriger Streit zwischen den Pfarrherren von St. Lorenz und dem Pfarrer von St. Leonhard. Die ersteren wollten ihre alten Rechte behalten ohne auch die Pflichten mit zu erfüllen, der letztere wollte aber für die ihm übertragenen Pflichten auch die entsprechenden Rechte erhalten. Erst im Jahre 1644 wurde dieser Streit durch einen Rezess vor dem Stadtmagistrat beigelegt. Hierdurch wurden Gibitzenhof und Sandreuth endgültig nach St. Leonhard eingepfarrt, da sie ihre Toten auch in St. Leonhard beerdigen ließen. Es heißt: „Gibitzenhof und Sandreuth haben seit alters die Sepultur (das Grabrecht) auf dem Leonharder Friedhof".
Hatte sich Gibitzenhof in den ersten 50 Jahren des 19. Jahrhunderts einwohnermäßig verdoppelt, so vergrößerte es sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts noch ganz gewaltig; vor allem, da sich Nürnberg von Steinbühl aus immer weiter nach Süden ausdehnte und auf Gibitzenhof zuwuchs. Diesem schnellen Wachstum versuchte der Staat dadurch gerecht zu werden, dass Gibitzenhof 1882 eine eigene Schule bekam. Zuvor waren die Kinder nach Steinbühl in die Schule geschickt worden. Als Gibitzenhof mit Sandreuth dann 1899 nach Nürnberg eingemeindet wurde, da war aus dem stillen Dörfchen von 1809 ein Vorstadtviertel geworden, aus dem die bäuerliche Bevölkerung fast ganz verschwunden war. Bestand diese Vorstadt bis dahin aus Gibitzenhof, Neugibitzenhof und Sandreuth, so vermehrte sich die Bevölkerung durch die Wohnanlage der MAN in der Werderau nochmals in hohem Maße. Etwa zur gleichen Zeit wurde der kurze Weg über die Felder zur Leonhardskirche durch die Errichtung des Gaswerkes (1904) endgültig verbaut, nachdem der Bahndamm der Linie Augsburg-Nürnberg schon eine große Behinderung auf dem Weg nach St. Leonhard bildete. Die geistliche Versorgung und die kirchliche Betreuung konnte bei diesem raschen Bevölkerungswachstum einfach nicht mehr mithalten. Um trotz allem diesem kirchlichen Notstand zu wehren, wurde Gibitzenhof mit Sandreuth 1909 ein eigener Seelsorgesprengel. Da leider keine eigentliche Pfarrwohnung vorhanden war, musste der Geistliche immer irgendwo zur Untermiete wohnen. So kam es denn, dass der Gibitzenhofer Pfarrer zeitweilig gar nicht in seiner Gemeinde wohnen konnte. Die Größe der allgemeinen Notlage in Gibitzenhof mag daraus ersichtlich sein, daß bereits 1908 ein Verein für Gemeinde-Diakonie in Gibitzenhof gegründet wurde, der neben einer Schwesternstation auch eine Kinderschule errichten wollte. Zusammen mit dem Diakonieverein gelang es dem Hilfsgeistlichen Bohrer im neuerbauten Block an der Dianastraße Räume für die Diakonissenstation und die Kinderschule einbauen zu lassen. So konnte 1910 der Kindergarten in der Dianastraße 34 eröffnet werden, während die Schwesternstation wegen Schwesternmangel erst 1912 mit einer Gemeindeschwester aus Neuendettelsau besetzt werden konnte. Um die großen Ausgaben für Kinderschule und Schwesternstation zu decken, wurde seit 1908 während der Gibitzenhöfer und Sandreuther Kirchweih eine Glücksbude zu Gunsten des Diakonievereins aufgestellt. Der Reinerlös aus diesen Warenverlosungen bildete ein nicht unbeträchtliches Finanzpolster für den Verein. Die Kinderschule, seit 1910 von freien Kräften geleitet, konnte 1913 auch mit einer Neuendettelsauer Schwester besetzt werden. Waren bislang ca. 50-60 Kinder im Kindergarten, so wuchs nun die Kinderschar auf über 150 an, so dass Neuaufnahmen kaum noch möglich waren. Kaum hatten die Kinder begonnen, den Kinderschulsaal zu füllen, als auch schon die Erwachsenen Überlegungen anstellten, ob nicht dieser Saal ebenso als Betsaal dienen könne. So trafen sich denn bald am Sonntag die Gibitzenhöfer im Kinderschulsaal zum Gottesdienst. Der gute Besuch dieser Betsaalgottesdienste zeigte immer deutlicher, wie dringend eine Kirche in Gibitzenhof benötigt wurde. Um den Kirchbau zu beschleunigen gründeten sie 1911 den „Kirchbauverein Gibitzenhof". Unter reger Anteilnahme der Mitglieder und der Bevölkerung suchte man nun einen günstigen Kirchbauplatz. Es wurden auch einige Grundstücke zum Kirchbau angeboten, doch erschien der geforderte Preis für den Kirchenbauverein unerschwinglich. So kam der Beschluss zustande, vorerst nur eine Notkirche auf städtischem Pachtland zu errichten. Diese St. Markus- Kirche, an der Ulmenstraße in Höhe der jetzigen Gasolin Tankstelle gelegen, weihte Dekan KR Boeckh am 20. September 1914 ein. Die Baukosten, auf rund 33000 Mark veranschlagt, betrugen bei der Endabrechnung rund 53 000 Mark.
Schon sehr bald bildete die Markuskirche, nur als Zwischenlösung bis zum eigentlichen Kirchbau gedacht, den Mittelpunkt eines regen Gemeindelebens. Hatten die Kindergärtnerinnen bereits 1910 die ersten Mädchenkreise ins Leben gerufen, so erwuchs, mit Pfarrer Wunderers Hilfe, aus dem ersten Gibitzenhofer Konfirmandenjahrgang ein „Jünglingsverein“. 1917, bedingt durch Kriegseinwirkungen, erweiterte sich der Kindergartenbetrieb durch Angliederung eines Jungenhortes. Durch gezielte Elternarbeit erreichte die Hortleiterin, Frl. Gaukler, noch im selben Jahr die Gründung des „Kirchengesangsvereins Gibitzenhof", der jetzt als Kirchenchor noch immer aktiv am Leben der Gemeinde teilnimmt. Als nach Kriegsende die Männer wieder in der Heimat waren, riefen sie 1919 den „Männer- und Jünglingsverein" ins Leben, dem sich sogleich der 1915 gegründete „Jünglingsverein" anschloss. 1921 wandelte sich der „Männer- und Jünglingsverein" durch Angliederung einer Frauenabteilung zum „Evang. Gemeindeverein Nürnberg- Gibitzenhof“. Dieser Gemeindeverein wollte durch Darbietungen und Veranstaltungen das Gemeindeleben fördern, gleichzeitig aber das Nebeneinander der verschiedenen Gruppen etwas mehr koordinieren. Außerdem strebte er die Abtrennung des Sprengels Gibitzenhof von der Muttergemeinde St. Leonhard an. Dieses Ziel konnte bereits am 1. Juni 1922 erreicht werden. Um aber bessere Gemeindearbeit leisten zu können war ein eigener Saal unbedingt erforderlich. Außerdem musste auch dringenst eine Pfarrwohnung beschafft werden; denn Pfarrer Wunderer, der 1. Gibitzenhofer Pfarrer, wohnte noch immer außerhalb der Gemeinde in der Humboldtstraße. Der Kirchbauplatz aber, zwischen Eschen- und Vogelweiherstraße gelegen, auf dem die künftige Markus-Kirche errichtet werden sollte, diente derzeit als Sportplatz und Wäschetrockenplatz, konnte also auch nicht bebaut werden. Da auch sonst kein geeigneter Bauplatz in der Nähe der Kirche vorhanden war, faßte man den Beschluss, das Anwesen Ulmenstraße 24 zu erwerben und als Gemeindehaus herzurichten. Bereits 1923, knapp 2 Jahre später, besaß der Gemeindeverein dieses Haus, doch dauerte es noch bis 1929, ehe Räume für die Gemeindearbeit in diesem Haus bereitgestellt werden konnten. Wegen der Wohnraumzwangswirtschaft gelang es leider nicht, Pfarrer Wunderer im Gemeindehaus Ulmenstraße 24 eine entsprechende Pfarrwohnung zu beschaffen. Umso größer war darum in der Gemeinde die Freude, als 1926 das Haus Alemannenstraße 40 durch die Gesamtkirchenverwaltung erworben und zum Pfarrhaus hergerichtet werden konnte. Das Jahr 1926 ist auch sonst sehr bemerkenswert. So wurden 1926 die Gemeindegrenzen für Gibitzenhof, ja für ganz Nürnberg neu festgelegt und eingeteilt. Dabei kam das Gelände der MAN und des Trafo-Werkes, zwischen Vogelweiher- und Kantzwangerstraße, an die Kirchengemeinde Lichtenhof, das Gebiet nördlich der Brehmstraße erhielt Steinbühl. Neben dieser kirchlichen Neugliederung brachte die Stadtverwaltung einen „Generalbebauungsplan" heraus. Da sich östlich des Kirchbauplatzes nur noch Industriebetriebe fanden, die Kirchengemeindegrenze gleichzeitig die Ostgrenze des Kirchbauplatzes bildete, wurde in diesem Generalbebauungsplan ein anderes Grundstück als Kirchbauplatz ausgewiesen. So fand sich die Gemeinde vor die Tatsache gestellt, von neuem Grunderwerbsverhandlungen für den Kirchbauplatz aufnehmen zu müssen. Dieser von der Stadt geforderte Kirchbauplatz lag zwischen der alten Markus-Kirche und dem Pfarrhaus an der Frankenstraße. Nach vielem Hin und Her waren die Verhandlungen 1932 soweit gediehen, dass durch ein Umlegungsverfahren der Kirchbauplatz an der Frankenstraße und das Grundstück, auf dem die Markuskirche an der Ulmenstraße stand, gegen den bisherigen Kirchbauplatz zwischen Vogelweiher- und Eschenstraße getauscht werden sollte. Doch dieses Umlegungsverfahren wurde 1933 leider nicht mehr durchgeführt, da in der „Stadt der Reichsparteitage" andere und „viel dringendere" Probleme zu lösen waren. Wie lebendig in den zwanziger Jahren das Gemeindeleben in Gibitzenhof war, geht daraus hervor, dass sich 1922 die „Evang. Elternvereinigung" (eine Untergruppe des Gemeindevereins) bildete, die schon bald eine 8-klassige evang. Schule in Gibitzenhof durchsetzen konnte; diese bestand bis 1965. Sie erlosch, da nicht genügend Eltern ihre Kinder für die Bekenntnisschule anmeldeten. Ebenfalls aus dem Gemeindeverein ging der „Posaunenchor Gibitzenhof“ hervor, dessen 40jähriges Jubiläum uns noch recht gut in Erinnerung ist. Auch heute noch dient der Chor auf vielerlei Art der Gemeinde; sei es im Gottesdienst, bei Turm oder Abendmusiken, durch Mitwirkung oder auch ganze Gestaltung von Gemeindeabenden, durch Ständchen für Geburtstagskinder und andere volksmissionarische Einsätze. Auch die Gemeindehilfe, die monatlich treu und stetig die Kirchenboten austrägt, ist aus diesem Gemeindeverein entsprossen. Sie stellt auch die Verbindung zwischen Pfarrer und Gemeinde her, ist also gleichsam Auge, Ohr, Fuß und Hand der Pfarrer. Bei großen Gemeinden mit ca. 10 000 Gliedern, soviel sind es heute etwa in Gibitzenhof, können die Pfarrer gar nicht alle Gemeindeglieder kennen und sind daher für diesen Dienst besonders dankbar.
Seit 1922 gab es alljährlich am 4. Advent eine „Altenspeisung", deren Ausrichtung und Durchführung die Stifter dieser Feier, Fam. Erhard, besorgte. Für alte und bedürftige Gemeindeglieder gedacht, umschlossen Mittagessen und Kaffeetrinken das gesellige Beisammensein am Nachmittag. Darbietungen der verschiedenen Gemeindegruppen sorgten dabei für ein recht unterhaltsames Programm. Der 2. Weltkrieg setzte dieser schönen Tradition leider ein jähes Ende. Selbst die Jugendkreise, Martha-Maria-Verein für die Mädchen und der Jugendbund für die Buben, zeigten ein reges Leben, das leider durch die Gleichschaltung 1934 eine sehr einseitige Ausrichtung erhielt. Nur der Hort, 1917 gegründet, schloss wegen mangelndem Bedürfnis bereits 1919 wieder seine Tore. Der Gemeindeaufbau konnte somit im Großen und Ganzen als abgeschlossen gelten. Nun wollte und musste man die Markus-Kirche renovieren. Bei dieser umfangreichen Erneuerung erhielt die Kirche auch eine neue Orgel. Die alte Orgel, Op. Nr.5 von Steinmayer, hatte ausgedient. Die neue Orgel, ebenfalls ein Steinmayer- Werk, stammt aus der 1939 abgebrochenen Lutherkapelle in Maxfeld. Im Zusammenhang mit dem Orgelaus- und -einbau wurde auch die Empore erneuert und vergrößert. Außerdem erhielt die Kirche einen neuen Altar mit einem großen holzgeschnitzten Kruzifix, einen Taufstein aus Muschelkalk, eine neue, ebenfalls holzgeschnitzte Kanzel und ein Markus-Relief. Letzteres erhielt rechts vom Altar an der Stirnwand der Kirche seinen Platz. Alle Holzarbeiten schnitzte der Bildhauer Karl Hemmeter aus München, den Taufstein fertigte Bildhauer Richard Stammberger in München. Endlich, im Juni 1939 war die Renovierung der St. Markus-Kirche abgeschlossen, doch durfte sich die Gemeinde nicht allzu lange ihres so schön hergerichteten Gotteshauses erfreuen; am 19. Oktober 1944 sank die St. Markus-Kirche in Trümmer, so dass nur noch ein Ruinengelände zu sehen war.
Angespornt durch die Neubautätigkeit und den Wie Während Altar mit Kruzifix, Kanzel, Taufstein und Markus-Figur (letztere zersplittert) geborgen werden konnten, war die Orgel restlos zerstört. Die Glocke hing noch einige Zeit im baufälligen Türmlein, bis ein Sturm dasselbe zum Einsturz brachte. Wie vor 30 Jahren, als es noch keine St. Markus-Kirche gab, feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste in der Kinderschule Dianastraße 34. Doch bereits im Januar 1945 zerstörten Bomben auch diese Zuflucht. Die Diakonissenstation zog ins Pfarrhaus, der Kindergarten aber schloss 1945 vorübergehend seine Tore, da die Zeiten zu unsicher geworden waren. Für Gottesdienst und Bibelstunde blieb als letzte Zuflucht nur noch der Saal des Gemeindehauses Ulmenstraße 24. Die gesamte Gemeindearbeit spielte sich nun in diesem Saal ab. Seit im November 1945 die Kinderschule wieder ihre Pforten öffnete, befanden sich im einen Raum die Kinder (bis zu 60) während Pfarrer Wolfrum nebenan Konfirmandenunterricht erteilte. Hier hielt man abends Bibelstunden, Jugendkreise und Posaunenchorproben, sonntags Gottesdienst. Der kleine Raum und die vielen Kirchenbesucher führten dazu, jeden Sonntag bis zu 3 Hauptgottesdienste zu halten. Waren auch in den letzten Kriegsmonaten noch sehr viele Häuser zerstört worden, so begann nun, besonders nach der Währungsreform, ein eifriger Wiederaufbau in Nürnberg. Neue Straßenzüge und Stadtviertel entstanden auf den Ruinenfeldern, selbst vor Gibitzenhof machte diese Neubauwelle nicht halt, so dass bald kaum noch deraufbau allenthalben versuchten die „alten Gibitzenhöfer" den Wiederaufbau ihrer St. Markus-Kirche zu erreichen. Hierbei erwies sich jedoch der Generalbebauungsplan von 1926 als größtes Hindernis, da nach diesem Plan die Markus-Kirche an der Frankenstraße und nicht an der Ulmenstraße liegen sollte. Der gemeindeeigene Kirchbauplatz zwischen Vogelweiher- und Eschenstraße sollte nach diesem Plan für Industriebetriebe in Betracht kommen und konnte daher nicht zum Kirchbau herangezogen werden. Erst nach Erwerb des neuen Kirchbauplatzes an der Frankenstraße begann die Bauplanung für die neue St. Markus-Kirche. So erhielt Gibitzenhof, durch die Forderungen der Stadt bedingt, ein vollständig neues Gotteshaus; ein Wiederaufbau der alten Markus-Kirche kam nicht mehr in Frage. Inzwischen wuchs durch die rege Bautätigkeit der Baugesellschaften und privaten Bauherren die Bevölkerung in Gibitzenhof stark an. Hatte schon Pfarrer Wunderer bei Errichtung der Pfarrei einen ständigen Hilfsgeistlichen zur Mitarbeit erhalten, so musste jetzt unbedingt die Errichtung einer 2. `Pfarrstelle in Gibitzenhof erfolgen. Es war KR Wolfrum einfach nicht mehr zuzumuten, die über 8000 Gemeindeglieder zusammen mit einem Vikar zu betreuen. Endlich, 1950, genehmigte die Landessynode die Errichtung einer 2. Pfarrstelle in Gibitzenhof. Im Jahre 1951 erhielt sie Pfarrer Eduard Winter. Als Pfarrwohnung dient seither die Pfarrhaus- Erdgeschoss- Wohnung; die Diakonissenstation, seit 1945 hier untergebracht, musste deshalb in die ehemalige Vikarswohnung, Mannheimer Straße 5, umsiedeln. Der Kirchbau, 1952 begonnen, bereitete der Gemeinde große Sorgen. Nachdem die Standortfrage durch langwierige Tauschverhandlungen geklärt worden war, galt es neue Probleme zu meistern. Einerseits wollte die Gemeinde, auch aus finanziellen Erwägungen heraus, keine allzu große Kirche bauen, andererseits stellte die Stadt Ansprüche an den Neubau, der ein „städtebaulicher Blickpunkt" im neuaufgebauten Gibitzenhof sein sollte. So hatten KR Wolfrum und Architekt M. Kälberer große Mühe, diese zwei gegensätzlichen Wünsche auf einen Nenner zu bringen. Endlich fanden sie eine brauchbare Kompromisslösung, da tauchten neue Schwierigkeiten auf. Der Wunsch der Gemeinde, in diesem Industrieviertel keine Backsteinkirche wie die St. Ludwigskirche zu errichten, sondern den Neubau mit Natursteinen zu verkleiden, stieß beim Landeskirchenrat in München auf Widerstand. Erst nachdem sich die Gemeinde bereit erklärt hatte, die Mehrkosten der Sandsteinverkleidung gegenüber der Backsteinausführung selbst zu tragen, wurde diesem Wunsch, mit Vorbehalten, entsprochen. Architekt Kälberer verwendete Trümmersandstein, der bei Altenfurt lagerte; die einzigen Kosten erstanden durch Transport und Bearbeitung. Da nun die MAN den Sandsteintransport kostenlos übernahm, so waren die Unkosten für die Sandsteinverkleidung, die bei der Schlussabrechnung ca. 50 000 DM ausmachten, verhältnismäßig gering. Eine Verkleidung aus neuem Haustein hätte das 6-7 fache gekostet. Langsam ging nun der Kirchbau voran und verschiedene Gemeindeglieder stifteten zum Teil namhafte Beträge, um den Bau zu fördern und einzelne Teile der Inneneinrichtung schneller beschaffen zu können. In der nachfolgenden Aufstellung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sollen einige namentlich genannt werden. Unter anderem spendeten:
| Familie Theissen | den Engel unter der Kanzel und ein weißes Parament |
| Familie Erhard | eine Glocke |
| Herr Buchbinder Müller | die Altarbibel |
| Firma MAN | den Dachstuhl und den Steintransport |
| Firma Siemens | Teile der Kirchenheizung |
| Firma Konrad Winkler | gab einen Überbrückungskredit und einen Sonderrabatt. |
So konnte endlich, am 27. 5. 1954, dem Himmelfahrtsfest, die neue Kirche als erster Kirchausbau nach dem Kriege in Nürnberg eingeweiht werden. Es fehlten zwar noch Orgel, Heizung und Glocken, auch die Sakristei war noch nicht ausgebaut, doch Gibitzenhof besaß wieder seine Markus-Kirche.
In der Zwischenzeit wuchs die Gemeinde weiter, so dass der Kirchenvorstand die Errichtung eines Stadtvikariats für Gibitzenhof beantragte. Bereits 1956 erhielt Gibitzenhof einen Stadtvikar, der nun als 3. Geistlicher in der Gemeinde mitarbeitete. Da für den Vikar keine eigene Wohnung bereitstand, musste bei jedem Vikarswechsel von neuem ein Zimmer für den Vikar gesucht werden. Für Gibitzenhof kamen daher nur Junggesellen als Vikar in Betracht, bis endlich 1963 die Gesamtkirchenverwaltung eine Wohnung in der Ulmenstraße für den Vikar mietete. Jetzt finden auch verheiratete Vikare in Gibitzenhof ausreichend Wohnmöglichkeiten. Der äußere Wiederaufbau der Gemeinde war damit bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen, denn Gibitzenhof hatte wieder eine Kirche und sogar 3 Pfarrer. Die Inneneinrichtung hingegen war noch lange nicht vollständig, wenngleich das Nötigste beschafft worden war. So wartet z. B. die Orgel auf ihren endgültigen Ausbau (daneben bilden die Vervollständigung des Geläutes und eine mögliche Turmuhr Aufgaben für kommende Generationen). Nun galt es zuerst, die Schulden, die beim Kirchbau und Kirchausbau gemacht worden waren (ca. 260 000 DM) zu tilgen. Nach 23jährigem Dienst in Gibitzenhof trat KR Wolfrum 1957 in den verdienten Ruhestand, nachdem er die Schulden zum größten Teil getilgt hatte. Er übernahm 1934 die Gemeinde, da Pfarrer Wunderer am 5. 7. 1933 nach längerer Krankheit verstorben war. Die Nachfolge von Senior KR Wolfrum trat Pfarrer Horst Kopania an. Gleichzeitig mit diesem Pfarrerwechsel wandelte sich auch das Gesicht Gibitzenhofs; die letzten Zeugen der ländlich-dörflichen Vergangenheit, die Kornfelder mussten dem Wohnungsneubau weichen (das letzte Gibitzenhofer Korn stand auf dem Kochsacker, zwischen Pettenkoferstraße und Kanalbett im Sommer 1956). Die Gemeinde, nun zu einer richtigen Großstadtgemeinde geworden, brauchte dringend Räume für die Gemeinde- und Jugendarbeit. So begann Pfarrer Kopania, nachdem er 1958/60 die Sakristei hatte ausbauen lassen, mit der Planung und Sammlung für ein Gemeindezentrum. Dieses sollte neben einem großen Saal, Räumen für die Jugendarbeit und die verschiedenen Gemeindegruppen auch einen Kindergarten nebst Wohnungen für Schwestern und Kindergärtnerinnen enthalten. Nach langwierigen Verhandlungen konnten die ersten Planskizzen eingereicht werden, da wurde Pf. Kopania am 25. 6. 1963 durch einen Herzinfarkt aus seiner Arbeit abgerufen. Wiederum gerieten die großen Projekte ins Stocken. Die Nachfolge von Pfarrer Kopania trat Pfarrer Rentsch an, der seit 1961 2. Pfarrer in Gibitzenhof war, da Pfarrer Winter einem Ruf nach Würzburg- Heidingsfeld folgte. In Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand versucht Pfarrer Rentsch nun all die angefangenen Projekte zu einem Ende zu bringen. So konnte 1963 in der Adventszeit die Höranlage für Schwerhörige in Betrieb genommen werden. Um die Markus-Kirche noch heimeliger zu machen, beschloss der Kirchenvorstand hinter dem Altar ein buntes Fenster einzubauen. Von verschiedenen Entwürfen dazu erhielt der Plan des Bildhauers W. Schiller die allgemeine Zustimmung. Am 11. Kirchweihtag, dem 27. 5. 1965 (auch wieder ein Himmelfahrtstag), konnte das neue, bunte Fenster hinter dem Altar der Gemeinde übergeben werden. Seit diesem Tag grüßt auch ein alter Bekannter aus der alten Markus-Kirche wieder die Gibitzenhöfer, die St. Markus-Figur. Dieses Holzrelief, 1944 zersplittert geborgen, lange Jahre fast vergessen in verschiedenen Keller- und Bodenwinkeln gelegen, wurde wieder restauriert und zusammengesetzt und dann an würdiger Stelle im Kirchenschiff angebracht. Ein weiteres Projekt, das Gemeindezentrum, konnte plötzlich ganz anders gelöst werden. Der Gemeinde, deren Neubaupläne für ein Gemeindezentrum neben der Kirche gerade genehmigungsreif waren, wurde der Komplex der Hubertus-Säle zum Kauf angeboten.
Da in diesem Komplex mehr und größere Räume als im Gemeindezentrum-Neubau-Plan enthalten sind, wurden die Hubertus-Säle von der GKV gekauft. Nach einjähriger Umbauzeit fand die feierliche Übergabe am 10. 9. 1966 unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde statt. An der Gemeinde liegt es nun, ob die Umbaukosten verschwendetes Geld sind oder ob die Gemeinde mit ihren vielen Gruppen es versteht, dieses riesige Haus mit Leben zu füllen. Auch die Planung für den Kindergarten, die nun von neuem begonnen werden musste, steht vor ihrem Abschluss. Immer wieder muss mit den Behörden um eine bessere Lösung gerungen werden. Als erster Schritt zum neuen Kindergarten konnte jedoch 1965 ein abgezäunter Spielplatz hinter der Kirche in Gebrauch genommen werden, der z. T. auf kircheneigenem Grund, z. T. auf städtischem Pachtland errichtet wurde. Die Umgebung der Kirche ist dabei bestimmt keine Augenweide. Noch immer wartet die Gemeinde auf den Ausbau der Frankenstraße und die Anlage einer Grünfläche bei der Kirche, da im Bebauungsplan die Umgebung des Gotteshauses als öffentliche Grünanlage ausgewiesen ist. Beides, Straßenbau und Erholungsgrün, gehört jedoch zum Aufgabenbereich der Stadtverwaltung. Die Kirchengemeinde kann am augenblicklichen Zustand nichts ändern! Wie viele Jahre werden wohl noch vergehen, bis diese Anlagen endlich fertiggestellt sind, damit die St. Markus-Kirche eine würdige Umgebung findet? Außerdem steht die Umwandlung des Stadtvikariats in eine 3. Pfarrstelle bevor. Seit dem Stadtvikar statt eines möblierten Zimmers eine ganze Dienstwohnung zugewiesen werden konnte, wurde von Seiten der Gemeinde die Umwandlung angestrebt. Die Frühjahrssynode 1966 hat diese Umwandlung des Stadtvikariats in eine 3. Pfarrstelle auch beschlossen; damit wird in absehbarer Zeit, wenn alle beteiligten Behörden zugestimmt haben, ein 3. Pfarrer in Gibitzenhof sein. Durch die Gesamtkirchenverwaltung konnte nun für den Vikar eine günstigere und größere Wohnung in unmittelbarer Nähe seines Sprengels gemietet werden, so daß dem Wunsch der Kirchenleitung, die Pfarrwohnungen sollten möglichst im Pfarrsprengel liegen, in etwa entsprochen werden konnte.
Neben diesem imposanten äußeren Aufbau der Gemeinde versuchen die Geistlichen auf vielerlei Art, die Gemeinde auch von Innen her aufzubauen. „Kommen die Leute nicht zur Kirche, so muß die Kirche zu den Menschen gehen" ist der Leitsatz, der alles Handeln der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter prägt. Neben den sehr lebendigen Jugendkreisen der männlichen Jugend (des CVJM) wird auch die Jugendarbeit unter den Mädchen wieder aufgenommen. Für die Berufstätigen werden Männerabend und Frauenkreis, jeweils 1 mal im Monat, angeboten. Die älteren und alten Gemeindeglieder haben dann die Möglichkeit jeweils in ihrem Sprengel die Bibelstunde zu besuchen. Neben diesen Nachmittagsbibelstunden in der Werderau, am Herschelplatz, in der Dianastraße und Sperberstraße findet für Interessenten 14tägig ein Gemeindeseminar statt, in dem über aktuelle oder dogmatische Themen gesprochen wird. Der äußere Rahmen ist gegeben, nun fülle die Form, liebe Gemeinde!
Blick in die Zukunft
Seit 1945, dem Ende des 2. Weltkrieges befindet sich die Gemeinde Gibitzenhof in einer Umwandlung. Charakteristische Gebäude wie die evang. Notkirche St. Markus und das Schlösschen der Familie v. Löffelholz sind verschwunden durch Kriegseinwirkung. Die alten Häuserreihen werden ausgebessert. Aber schon plant man die aus den verlorenen Ostgebieten zugewanderten Neubürger würdig unterzubringen. Alte Nürnberger kehren wieder heim. Zwischen den Industriegebäuden von Steinbühl und dem Kanal, wo bislang noch Acker waren, erheben sich mehrstöckige Bauten. Nach 10 Jahren ersteht die neue Markus-Kirche als städtebaulicher Mittelpunkt. Das ehemals bäuerliche Element des Südvorortes ist verschwunden. Dafür wohnen jetzt hier Hunderte von Werktätigen, Beamten, Angestellten und Arbeitern. Der Zuzug von Tausenden bewirkt eine Umschichtung, einen Wandel der Bevölkerungsstruktur. Immer mehr Läden des Einzelhandels werden sichtbar. Als die evang. Gemeinde auf etwa 10 000 Seelen angewachsen ist, richten Großfirmen Kaufstätten ein. Zugleich erhöht sich aber auch die Anzahl der älteren Leute. Die Stadt ist genötigt für den stärkeren Verkehr Straßen auszubauen, dessen Bewältigung durch die Schaffung der Schnellstraße im alten Kanalbett gemeistert werden soll. Weil hier im Süden noch Raum war, wurden Schulen errichtet: Sigena- Gymnasium, Realschule Süd neben der Herschelplatz-Volksschule. Konnte die Stadt um 1960 den sozialen Anforderungen für die Jugend mit dem Heim der offenen Tür, Sozialamt Süd etc. gerecht werden, so versucht die evang. Gemeinde neben der Kirche in der Frankenstraße einen neuen Kindergarten zu bauen. 1965 konnte von der Gesamtkirchenverwaltung der Komplex Dianastraße 28, früher Hubertus-Säle, erworben werden. Ab 1966 soll dieses Gemeindehaus einen Schwerpunkt in der gesamten kirchlichen Arbeit bilden. Weil es immer an einer kirchlichen Großplanung fehlte, darum sind in den einzelnen Sprengeln keine geeigneten Räume für Gemeinschaftspflege und schon gar kein Baugrund um solche zu errichten. Doch in den letzten Jahren ist es gelungen in Gaststätten (Nebenzimmer) vor allem die Alten in Nachmittagsstunden zu sammeln. Somit ist ihnen der weite, oft gefährliche Weg über Verkehrsadern erspart. - Um einer großen Not zu wehren wagte die Christliche Arbeitsgemeinschaft (Hummelsteinerweg 36) den Bau eines Altenheimes mit Pflegeabteilung (270 Betten), das im Rohbau neben der Markus-Kirche in der Frankenstraße sich zeigt. Wie rasch und wie eng und fest wir zu einer „schönen Gemeinde" zusammenwachsen, Mus abgewartet werden. Der Grundstock ist vorhanden in den „alten Treuen", den Gemeindehelferinnen und Mitarbeitern. Es liegt viel daran, ob wir uns alle als „Mitchristen" zusammenfinden über alle Unterschiede und Abstufungen unsrer beruflichen Stellungen hinweg. So hat unsre Gemeinde St. Markus- Gibitzenhof eine Zukunft!
Von da löibn Gibitznhüfer Kerchngmaa!
Als Bau bin ih vur argviell Joahrn,
dös soogi frei und offn -
ka Straßnbooh is nonni gfoahrn,
af Gibitznhuuf naus gloffn.
Drinn von da Altstadt raus woar weit,
über St. Lonhard und Sandreith.
Gibitznhuuf woar dou net grouß,
ka Kerch houts nonni ghattn;
su fuchzeh klani Haiser blous,
a Schlößla mit an Gartn.
Die Löfflholz hobn dou drinn gwohnt,
da Kröig houts Schlößla net verschont.
Meinaad!wenn mer su weit zruckschaut,
doamoals woars kaam zu fassn;
haut unser Gmaa a Kerchla baut,
dös haut Skt. Markus ghaßn.
Im Kriegsioahr verzehn is dös gwesn,
ma kohs nu in die Blättla lesn.
Zoar übermächti grouß woars net,
doch mir woarn trotzdem zfriedn;
oft woar von dön klan Turm die Red,
hell haut dös Glöckla gliettn;
dös drobma is im Türmla ghengt,
da zweite Kröig houts ah versenkt.
Ganz schwarzi Wolkn sen aafzuugn,
und vill Joahr woarn verganga;
mer Sicht nu heit döi Bombnspurn
und denkt nu droh mit Banga.
Da Feind is über Nernberg gefluugn
und haut die Bombnhebl zuugn.
Doch wöi nouch suh a groußn Nout,
die Stadt woar fast vernicht;
die Hilf der Gmaa, döi woar net taut,
döi haut vill gmacht und gricht;
Der Gmeindesoaal, der Ulmenstraß,
haut döint als Notkerch wöi jeds waß
A Kindergartn woar ah drinn,
a „Tante" ah, mit vill Vertraua;
döi haut gsorgt, daß gout afghubn sin,
die Klan bam Spielln und Haislabaua.
A Spielplatz woar glei wisawie,
und houts net ghengt, senns dortn hie.
Die Notkerch, döi woar ah bal zklaa
und Sunntogs oft zu eng;
sie haut net glangt für die ganz Gmaah
und oft woars a Gedräng.
Die Platznout, döi woar werkli grouß,
was mach mer denn, wöi bringt mas laus? –
Dann endli woar ma doch su weit,
die Zeit is ah verganga;
die Kerchaleit, döi hobm si gfreit,
walls öitz ös Baun ohfanga.
A groußer schöina Kerch solls wern,
weithie solls leichtn wöi a Stern.
A Architekt, da Bauherr ah,
zwoar hobns oft gsagt beklomma;
wenns ploant und grechnt hobm all zwaa:
„Dös brauchert ma - dös hobma."
Ös is halt su af dera Welt:
Wer baua will, der braucht a Geld!
Die ganze Gmaa haut dou gmacht miet,
ah Spender hobm sie gfundn;
die Firma Winkler grundsolied,
haut geschafft mit Überstundn.
An Kirchnbauverein hobms gründt,
damit mer doch die Mittel findt.
Mer haut zammgholfn, dös woar schöi
und rasch is vurwärts ganga;
dou göiht da Bau schnell in die Höih,
mer braucht scho Grüst und Stanga.
Denn wer vorbei is haut gsagt: Schau!
Wöi schnell wächst unser Kirchnbau.
Doch ah die Zeit is weitertrabta
Bau in Gottesfriedn;
innwendi grouß, an Turm houts ghabt,
dou moußi davoh riedn.
A Moh haut gestift sei Taschngeld,
damit da Turm recht houch ausfällt.
Und 's Gotteshaus woar dann bereit,
es öffnete die Tore;
uns alle ergriff Seeligkeit,
beim Einzugslied im Chore.
Auch die Posaunen fielen ein,
es galt dies schöne Haus zu weihn. –
Groodsu wöi doamols is a heit,
ös hobn si Menschn gfundn;
döi fleißiwoarn und hilfsbereit
und geschafft hobn manche Stundn
dort in Hubertus umzubaua,
mit Herznslust und Gottvertraua.
Dies Haus soll der Gemeinde nitzn,
Herr bleib bei uns, kehr bei uns ein;
Bewahrs vor Feuer, Sturm und Blitzen,
wir wollns in Deinem Namen weihn.
Breit schützend Deine Hände aus,
gib Deinen Segen diesem Haus!
Zum Abschluß will i hochdeutsch reden, i
n Mundoart gsprochn paßt s net gut;
Um Seine Hilfe laßt uns beten,
Er nimmts in Schutz und treue Hut
und die da gehen aus und ein,
die werden froh und glücklich sein!
Gottlieb Meyer