Mit der rasanten Entwicklung Gibitzenhofs vom Dorf zum Stadtteil Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Geschichte der Gemeinde St. Markus. 1914 wurde die erste Kirche gebaut und schon im Jahr 1917 der „Kirchengesangsverein Gibitzenhof“ gegründet und zwar von der Leiterin des Hortes, „Fräulein“ Gaukler. Die Leitung übernahm bis 1937 der „Hauptlehrer“ Jakob Würsching. Bereits damals war das künstlerische Niveau hoch, so wirkte der Chor 1921 in einer Opernaufführung mit, regelmäßig gab es Konzerte und Auftritte im Gottesdienst.

Einladung zu einem Konzert im Jahr 1921

 

Der Musiklehrer Hans Scharf führte den Chor von 1938–1958 durch eine schwierige Zeit; nach dem 2. Weltkrieg lag nicht nur die Markuskirche in Trümmern, auch der Chor musste wieder aufgebaut werden.

Der Chor unter Hans Scharf

 

Unter dem ambitionierten Organisten Hans Leykam erreichte der Chor ab 1963 wieder musikalische Höhepunkte.

An diese Tradition knüpfte 1969 die Kantorin Christl Egg an, die die „alten Hasen“ im Chor noch kennengelernt haben. Der Chor trat häufig auf, auch mit anderen Chören. Das Repertoire war sehr klassisch, d.h. Kirchenlieder und 4-stimmige Choräle. Es gab auch einen Jugend- und einen Kinderchor, die schon moderner ausgerichtet waren und z.B. mit den Orff-Instrumenten arbeiteten.

Der Chor ca. 1975

 

Chorfreizeiten und -tage förderten nicht nur die Gesangskünste, sondern auch die Chorgemeinschaft. Proberäume waren die damals noch für die Gemeinde verfügbaren Räume in der Dianastraße unterhalb des heutigen Gostner Hoftheaters. Krankheitsbedingt wurde Christl Egg längere Zeit vertreten durch Friedrich Murrmann, Helga Boesenecker und sogar Pfarrer Christoph Liebst.

Auftritt im Adventskonzert 1998

 

1994 übernahm die neue Kantorin Kerstin Büttner den Chor. Mit dem Hintergrund des doppelten Studiums von Kirchenmusik und Gesang schlug sie die Brücke zum modernen Liedgut. Auch nach ihrem Wechsel von der Kantorenstelle St. Markus in die musikalische Früherziehung blieb sie „ihrem“ Chor treu und führte ihn bis 2017 weiter. Lange konnten die traditionellen Auftritte und Veranstaltungen des Chors fortgeführt werden. In den letzten Jahren gab es jedoch bei den Chormitgliedern gesundheitsbedingt Einschränkungen und Ausfälle.

2017 übernahm die studierte Jazzsängerin Linda Mund den Chor. Ein Jahr später mussten die noch aktiven Mitglieder erkennen, dass die geschrumpfte Zahl für sicheres 3- und 4-stimmiges Singen nicht mehr ausreicht. Der stolze Name „Kirchenchor“ konnte daher nicht weitergeführt werden. Seitdem nennt sich die Gruppe „Singtreff“, auch um zu dokumentieren, dass sie offen sind für Neue, die das Singen ausprobieren wollen, ohne große Verpflichtungen einzugehen.

Herzlichen Dank an alle, die im Kirchenchor mitgewirkt, sich so viele Jahre für den Zusammenhalt engagiert und unzähligen Menschen Freude bereitet haben. Besonderen Dank denen, die geholfen haben, diese (komprimierte) Geschichte des Chors zusammenzustellen.

Uwe Grassmé