Liebesschlösser

Seit vielen Jahren hängen Paare Schlösser an Brückengeländer, auf denen sie meist ihre Namen mit Datum eingraviert haben. So etwa auf der Brücke zwischen Cinecitta und Gewerbemuseumplatz oder auf dem Makartsteg in Salzburg, woher mein Foto stammt. Es ist Tradition, dass das Paar den Schlüssel zum Schloss in den Fluss wirft, damit die Liebe nie endet. Alle Liebe will Ewigkeit. In einem Vers aus dem Hohen Lied der Liebe im Römerbrief heißt es: „Die Liebe hört niemals auf“. Die Schlösser an den Brücken sind wie Liebeserklärungen, die nie vergehen sondern fest gekettet sind. Doch noch besser ist es natürlich, wenn die Liebe nicht nur auf dem Schloss eingraviert und an einer Brücke befestigt ist, sondern fest ins Herz geschrieben steht.

Das gilt auch für das Jesus-Schloss. Jesus hat seine Liebe in die Welt gegeben und sagt: „Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe.“(Joh. 13, 34-35). Doch Corona hat es uns in der letzten Zeit mit der Nächstenliebe nicht leicht gemacht. Zu enge körperliche Nähe müssen wir vermeiden, Reisen sind noch eingeschränkt, unsere Geliebten, die krank sind, können kaum noch besucht werden. Das Virus hat nicht nur unseren Alltag verändert, sondern auch unsere Beziehungen auf die Probe gestellt. Durch Corona sind viele plötzlich rund um die Uhr zusammen im Home Office oder bei der Kinderbetreuung – und andere auf unabsehbare Zeit getrennt, weil sie ihre Geliebten im Ausland nicht besuchen können. Einige haben sich sehr lange nicht mehr gesehen, weil sie sich noch unsicher fühlen oder nicht ganz fit sind.

Fast alle stehen im Moment vor neuen Herausforderungen. Aber genau das kann auch positiv gesehen werden, denn so zeigen sich Solidarität und Mitgefühl. Man mag zwar unterschiedliche Lösungen finden, wie man eigene Beziehungen in dieser Krisenzeit pflegt, aber das Verständnis für andere wird dabei auch stärker. Und vielleicht hilft auch bisschen der Gedanke, dass gerade fast alle herausgefordert sind.

Ich bin davon fest überzeugt, dass wir gerade in dieser Situation neue Wege finden, unsere Liebe zu den Nächsten zu zeigen und einander nah zu bleiben. Und gerade wegen dieser Schwierigkeiten werden unsere Kontakte umso wertvoller sein.

Kristina Frasch, religionspädagogische Mitarbeiterin in St. Markus

Tageslicht am 10. Juni 2020