Von Einkehr, Umkehr und Besinnung

Auf Gewohnheiten zu verzichten, ist viel mehr als eine alte Tradition!

Jetzt beginnt die sogenannte Fastenzeit. Aber warum fasten wir? Viele Christinnen und Christen bereiten sich in dieser Zeit auf Ostern vor. Also auf die Botschaft der Auferstehung von Jesus.

In der Zeit des Mittelalters war das Kirchenjahr stark durchgetaktet. In den Zeiten, in welchen gefastet wurde, gab es strenge Speisevorschriften. Zum Beispiel war gutes Essen, gute Musik und Feiern nicht erlaubt. Es ging mehr darum, nichts falsch zu machen. Oder anders betrachtet ging es darum, in dieser Enthaltsamkeit Gott zu gefallen. Oder anderen Menschen, wie den Nachbarn oder dem Pfarrer zu gefallen.

Mit der Reformation wurden die strengen Regeln in Frage gestellt. Aus protestantischer Sicht darf jede und jeder selbst entscheiden, worauf sie oder er verzichten möchte und vor allem was einem selbst gut tut. Im Alten Testament fasten Menschen in den Übergängen von verschiedenen (Lebens-)Phasen. Zum Beispiel bei Leben und Tod oder in Phasen der Trauer. In der Fastenzeit bereiten wir uns darauf vor, uns an Gott zu wenden. Das bedeutet auch, eine fragende Haltung einzunehmen und zu hören. In dieser Zeit lebt die Erinnerung daran, dass wir nicht allein sind und auch wissen, was für uns selbst am Besten ist.

Zu Fasten bedeutet auch, sich selbst neu kennen zu lernen. Etwas Neues auszuprobieren, auf Gewohntes zu verzichten oder Gewohntes anders zu machen, kann neue Gedanken und Kräfte mit sich bringen. So kann die Zeit des Fastens neue Wege eröffnen. Ein „Was wäre, wenn?“ freisetzen. Was wäre, wenn ich mich traue jeden Tag etwas Neues auszuprobieren? Was wäre, wenn ich nur noch die Zukunft in Blick habe? Was wäre, wenn ich aus meinen Fehlern lerne?

Heute brechen wir in der Fastenzeit kleine oder große Gewohnheiten. Weniger Zucker oder weniger Rauchen für die Gesundheit? Oder doch mal wieder zu Fuß zu gehen? Und vielleicht erwischen wir uns dabei, dass es nicht so schwer war? Lächeln in uns hinein. Manchmal sind es die kleinen Schritte, die unser Denken verändern. Dann gehen wir auch neue Wege. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mutig und aufgeschlossen etwas Neues ausprobieren.

Ihre Michaela Karg

Tageslicht am 19. Februar 2021